Ein Abend Ende Oktober. Im Wohnzimmer brennt nur die Stehlampe, als etwas Dunkles über das Parkett huscht und unter dem Sofa verschwindet. Spinnen im Haus gehören im Herbst einfach dazu: in der Waschküche, im Kellerabteil, hinter dem Bücherregal. Viele greifen dann reflexartig zum Staubsauger. Dabei lohnt sich ein zweiter Blick. Wo sie sich dauerhaft einrichten, finden sie genug zu fressen. Und ob Insekten sich bei Ihnen wohlfühlen, hängt erstaunlich stark von der Luftfeuchtigkeit ab.

Warum sieht man im Herbst so viele Spinnen im Haus?
Im Herbst gibt es nicht mehr Spinnen im Haus als im Sommer, sie sind nur deutlich sichtbarer. Verantwortlich dafür sind vor allem die Männchen der Hauswinkelspinne. Von Ende August bis in den Oktober verlassen sie ihre versteckten Trichternetze und gehen auf Partnersuche. Mit einer Beinspannweite von bis zu rund zehn Zentimetern fallen sie auf, besonders wenn sie nachts über helle Böden laufen.
Die verbreitete Annahme, sie würden vor der Kälte ins Haus flüchten, stimmt meist nicht. Die meisten Tiere, die Sie im Herbst sehen, haben schon vorher im Gebäude gelebt, gut versteckt in Kellerecken, Lüftungsschächten oder hinter Möbeln.
In der Schweiz leben rund 1’000 Spinnenarten, nur wenige davon regelmässig in Wohnungen. Die häufigsten sind:
Hauswinkelspinne: gross, braun, schnell, baut Trichternetze in ruhigen Ecken
Grosse Zitterspinne: extrem dünne Beine, hängt gerne an Zimmerdecken und fängt sogar andere Spinnen
Weberknecht: wird oft für eine Spinne gehalten, gehört aber zu einer eigenen Ordnung der Spinnentiere
Für Menschen sind die einheimischen Hausspinnen harmlos. Bisse sind sehr selten und höchstens so unangenehm wie ein Mückenstich.
Was hat das Raumklima mit Spinnen zu tun?
Spinnen selbst kommen mit trockener Raumluft gut zurecht, ihre Beutetiere hingegen nicht. Eine Spinne bleibt dort, wo der Tisch gedeckt ist. Und viele typische Mitbewohner, von denen sie sich ernährt, sind auf feuchte Luft angewiesen.
Silberfische fühlen sich bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 90 Prozent am wohlsten. Staubläuse vermehren sich ab etwa 60 Prozent besonders stark. Kellerasseln trocknen in trockener Luft regelrecht aus. Trauermücken brüten in dauerhaft nasser Blumenerde. Wo diese Insekten und Kleintiere zahlreich sind, ziehen Spinnen nach.
Sind viele Spinnen ein Hinweis auf zu hohe Luftfeuchtigkeit?
Viele Spinnen allein bedeuten noch kein Feuchtigkeitsproblem, sie können aber ein Hinweis darauf sein. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn mehrere Zeichen zusammenkommen: Spinnen in einer bestimmten Ecke, dazu Silberfische, ein muffiger Geruch oder beschlagene Fensterscheiben am Morgen. Ein einfaches Hygrometer schafft Klarheit. In Wohnräumen liegt die ideale Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent, im Keller sollte sie dauerhaft unter 60 bis 65 Prozent bleiben. Messen Sie zu verschiedenen Tageszeiten und an mehreren Orten. Gerade in der Waschküche schwanken die Werte stark, je nachdem, ob gerade Wäsche hängt.
Darf man Spinnen mit dem Staubsauger aufsaugen?
Spinnen mit dem Staubsauger aufzusaugen ist erlaubt, aber selten die beste Lösung. Den Sog selbst überstehen kleinere Tiere zwar oft. Im Beutel oder Staubbehälter sterben die meisten jedoch nach kurzer Zeit, durch Verletzungen, Staub und Austrocknung.
Die Sorge, dass sie wieder aus dem Gerät krabbelt, ist bei Beutelgeräten weitgehend unbegründet. Bei beutellosen Modellen ist es theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich, vor allem wenn Sie den Behälter zeitnah leeren.
Bevor Sie zum Sauger greifen, lohnt sich eine Überlegung: Eine einzelne Hausspinne fängt Mücken, Fruchtfliegen, Motten und Silberfische. Sie ist also eher Nützling als Problem. Für den sanften Umzug reicht ein Glas und eine Postkarte: Glas über die Spinne stülpen, Karte darunterschieben, Tier hinaustragen.
Ein Tipp für den Spätherbst: Hauswinkelspinnen sind an das Leben in Gebäuden angepasst. Setzen Sie sie bei Frost besser in der Garage, im Velokeller oder im Gartenhaus aus statt direkt im Garten.
Der Staubsauger hat trotzdem seinen Platz: für verlassene Spinnweben in Raumecken, hinter dem Schrank und an Fensterrahmen. Wer diese Stellen regelmässig absaugt, nimmt den Spinnen ihre bevorzugten Rückzugsorte.
Wie halten Sie Spinnen auf natürliche Weise fern?
Spinnen halten Sie am besten fern, indem Sie ihnen Futter und Verstecke nehmen. Chemische Mittel sind dafür in aller Regel nicht nötig. Diese Massnahmen wirken zusammen am besten:
- Luftfeuchtigkeit in Keller, Waschküche und Bad auf 40 bis 60 Prozent senken
- Insektengitter an Fenstern montieren, besonders an Kellerfenstern
- Abends Vorhänge schliessen, damit Licht keine Insekten ans Fenster lockt
- Ritzen an Türen, Sockelleisten und Leitungsdurchführungen abdichten
- Ecken, Fensterrahmen und Bereiche hinter Möbeln regelmässig reinigen
- Zimmerpflanzen nicht übergiessen, damit Trauermücken keine Chance haben
- Kartonschachteln im Keller durch geschlossene Kunststoffboxen ersetzen
Hausmittel wie Pfefferminzöl, Essig oder Kastanien auf der Fensterbank werden oft genannt. Eine zuverlässige Wirkung ist wissenschaftlich allerdings kaum belegt.
Wie ein Luftentfeuchter indirekt gegen Spinnen hilft
Ein Luftentfeuchter vertreibt keine Spinnen direkt, entzieht aber vielen ihrer Beutetiere die Lebensgrundlage. Sinkt die Luftfeuchtigkeit dauerhaft unter 60 Prozent, gehen Silberfische, Staubläuse und Asseln deutlich zurück. Und mit ihnen verlieren Spinnen den Grund, sich in diesem Raum niederzulassen.
Sinnvoll ist das vor allem dort, wo Lüften allein nicht reicht: im Kellerabteil ohne Fenster, in der Waschküche während der Wäschetrocknung oder im Hobbyraum im Untergeschoss. Für Räume mit über 15 Grad eignen sich Kondensationstrockner, für kühlere Keller und Garagen Adsorptionstrockner, weil sie auch bei tiefen Temperaturen zuverlässig arbeiten. Ein eingebauter Hygrostat hält den gewünschten Wert automatisch, sodass das Gerät nur läuft, wenn es nötig ist. Nebenbei schützen Sie damit auch Kartonschachteln, Velos und eingelagerte Textilien vor Feuchtigkeit und Schimmel.
Fazit
Spinnen im Haus sind kein Grund zur Panik, sondern oft ein Hinweis auf das, was sonst noch in Ihren vier Wänden lebt. Wo es feucht ist, finden Insekten ideale Bedingungen und Spinnen einen gedeckten Tisch. Statt zum Staubsauger greifen Sie besser zu Glas und Postkarte und kümmern sich um die Ursache. Mit einer Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent, sauberen Ecken und dichten Fenstern bleiben die achtbeinigen Mitbewohner von selbst seltener.
