Fenster auf und frische Luft rein – so einfach scheint richtig Lüften zu sein. Doch Aussenluft ist nicht zu jeder Zeit gleich sauber oder gleich gut geeignet, um das Raumklima zu verbessern. Während an einer viel befahrenen Strasse Verkehrsemissionen eine Rolle spielen können, beeinflusst in ländlichen Regionen unter anderem die Landwirtschaft die Luftqualität. Hinzu kommen Jahreszeit, Wetter, Luftfeuchtigkeit, Feinstaub und Ozon. Wann ist also der beste Zeitpunkt zum Lüften und wann sollte das Fenster besser noch etwas geschlossen bleiben?

Lüften – einfach gemacht und doch auch nicht
Generell gilt: Lüften ist grundsätzlich nie eine schlechte Idee. Das eine ausreichende Lüftung ist zur Sicherstellung einer guten Raumluftqualität unerlässlich ist sagt auch das Bundesamt für Gesundheit. Ein ausreichender Luftwechsel ist die beste Grundlage für ein gesundes Raumklima. Die Beschaffenheit der Aussenluft ist jedoch dennoch bestimmend, ob sich Lüften lohnt.
Jedoch: Frische Luft ist nicht immer gleich saubere Luft
Die Qualität der Aussenluft hängt von folgenden Faktoren ab:
- Standort
- Tageszeit
- Wetterlage
- Jahreszeit
- Verkehr
- Heizungen und Holzfeuerungen
- Nähe zur Industrie und Landwirtschaft
- Ozon- und Feinstaubbelastung
Die optimale Lüftungsstrategie ist deshalb nicht das ganze Jahr und überall dieselbe.
Richtig Lüften in der Stadt
An stark befahrenen Strassen können insbesondere verkehrsbedingte Schadstoffe relevant sein. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) nennt den motorisierten Verkehr als bedeutende Quelle von Stickoxiden, Feinstaub und Russ.
Was bedeutet das fürs Lüften
- Wenn möglich nicht direkt während starkem Berufsverkehr lüften.
- Fenster auf der verkehrsabgewandten Gebäudeseite bevorzugen.
- Stosslüften statt dauerhaft gekippter Fenster.
- Aktuelle Luftqualitätsdaten berücksichtigen.
Trotzdem gilt bei belasteter Aussenluft nicht komplett auf das Lüften zu verzichten. Das BAG empfiehlt ausdrücklich, selbst bei hohen Feinstaubwerten nicht vollständig auf das Lüften zu verzichten, weil dennoch Feuchtigkeit, CO₂ und Schadstoffe aus Innenraumquellen abgeführt werden müssen.
Richtig Lüften auf dem Land
Wenn es zur Landluft kommt so hält sich ein Mythos: Viel Grün, wenig Verkehr – entsprechend sauber muss die Luft auf dem Land sein. Ganz so einfach ist es nicht.
Denn 92 % der Schweizer Ammoniakemissionen stammen laut BAFU aus der Landwirtschaft. Ammoniak (NH3) ist ein stickstoffhaltiger Luftschadstoff und wird unter anderem bei Tierhaltung sowie Lagerung und Ausbringung von Hofdünger freigesetzt und kann zur Bildung von sekundärem Feinstaub beitragen. Des weitern führt es zur Versauerung und Überdüngung von empfindlichen Ökosystemen wie z.B. Wäldern oder Mooren. Es wandelt sich ebenfalls in andere Stickstoffverbindungen um – etwa in Nitrat, welches das Grundwasser belastet, oder in Lachgas, ein besonders wirksames Treibhausgas.
Hieraus zu schliessen, dass Ammoniak mit Feinstaub gleichzusetzen ist stimmt jedoch auch nicht. Ammoniak kann in der Atmosphäre mit anderen Stoffen reagieren, wodurch sekundäre Partikel entstehen.
Praktische Tipps für richtiges Lüften in ländlichen Gebieten
- Bei unmittelbar stattfindender Gülleausbringung Fenster vorübergehend geschlossen halten.
- Nach Ende einer lokalen Emissionsphase lüften.
- Windrichtung berücksichtigen.
- Nicht davon ausgehen, dass „Landluft“ automatisch schadstofffrei ist.
Richtig Lüften im Sommer
Jetzt kommt die Jahreszeit ins Spiel. Bei den Jahreszeiten gilt es, zwei Probleme konsequent voneinander zu trennen: Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Denn nicht allein die relative Luftfeuchtigkeit draussen entscheidet darüber, ob Lüften einen Raum trocknet. Sondern das verhältnis zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Beispielsweise können 5 °C und 80 % relative Luftfeuchtigkeit weniger Wasser enthalten als 20 °C und 60 %.
Dieses Phänomen ist einer der Hauptgründe, wieso sich in Garagen und Keller im Sommer gerne Feuchtigkeit an den Wänden bildet. Mehr dazu in unserem Artikel «Kellerfeuchte trotz schönem Wetter».
Im Sommer ist frühes Lüften oft sinnvoll, weil die Aussenluft noch kühler ist. Tagsüber sollten Fenster bei grosser Hitze eher geschlossen und Räume beschattet werden.
Ozon im Sommer
Ozon, auch bekannt als Sommersmog, hat viele Gesichter. Oben in der Stratosphäre schützt uns Ozon vor der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne. Nahe der Erdoberfläche, ist zu viel Ozon aber unerwünscht. Bei sonnigen und windstillen Wetterperioden kann die bodennahe Ozonkonzentration steigen. Das BAFU weist darauf hin, dass die Schweizer Grenzwerte im Sommer weiterhin regelmässig überschritten werden.
Schuld am bodennahen Ozon sind der motorisierte Verkehr, so wie Industrie und Gewerbe. Diese bilden nämlich Vorläuferschadstoffe wie Stickoxide (NOX) und flüchtige organische Verbindungen (VOC), aus denen sich unter Einwirkung des Sonnenlichts Ozon und weitere Schadstoffe wie zum Beispiel Formaldehyd bilden können.
Richtig Lüften im Herbst und Winter – Feinstaub und Inversionslagen
Im Winter und bei herbstlichen Hochdrucklagen können Inversionen den vertikalen Luftaustausch reduzieren. Schadstoffe bleiben dadurch länger in Bodennähe. Während einer solchen Inversionslage ist der Atmosphärische Luftaustausch beeinträchtigt und so können erhöhte Feinstaubbelastungen auftreten.
Kalte Winterluft hat jedoch gleichzeitig auch einen grossen Vorteil: Sie eignet sich häufig sehr gut, um überschüssige Feuchtigkeit aus Innenräumen abzuführen, da kalte Luft im Verhältnis weniger Feuchtigkeit hält als Wärmere Innenluft.
Ein Luftreiniger als Unterstützung
Lüften ist und bleibt notwendig für den nötigen Luftaustausch. Da die Aussenluft je nachdem aber belastet sein kann, kann sich zusätzliche Luftreinigung im Innenraum anbieten. Etwa mit einem Luftreiniger, ausgestattet mit einem HEPA-Filter. Dieser kann eingetragene Feinstaubpartikel wieder aus der Raumluft entfernen.
Wichtig ist aber: Luftreiniger ersetzen das Lüften nicht. Denn obwohl sie die Luft zu 99.97% auf Schadstoffe reinigen können, entfernen sie kein CO₂ und führen keine frische Aussenluft zu.
Zusammenfassend: richtig lüften statt einfach viel lüften
Für ein gesundes Raumklima ist regelmässiges Lüften unverzichtbar. Entscheidend ist jedoch nicht nur, wie oft die Fenster geöffnet werden, sondern auch wann und unter welchen Bedingungen. Verkehr, Landwirtschaft, Feinstaub, Ozon, Temperatur und Luftfeuchtigkeit können beeinflussen, wann ein Luftaustausch besonders sinnvoll ist.
Bonus: richtig Lüften mit 6 Tricks
- Stosslüften statt Fenster kippen: schneller Luftaustausch ohne unnötig lange offene Fenster.
- Querlüften: Gegenüberliegende Fenster ermöglichen einen besonders schnellen Luftwechsel.
- CO₂ messen: Ein CO₂-Messgerät kann zeigen, wann tatsächlich Lüftungsbedarf besteht; auch das BAG empfiehlt es als Hilfsmittel.
- Luftqualität prüfen: Bei besonderen Wetterlagen aktuelle Feinstaub- und Ozonwerte berücksichtigen.
- Luftfeuchtigkeit messen: Hygrometer statt Bauchgefühl – besonders in Keller, Bad und Schlafzimmer.
- Innenraumquellen reduzieren: Kochen, Kerzen, Tabakrauch und ähnliche Quellen können die Partikelbelastung im Raum deutlich erhöhen.
